Aus diesem ersten Kontakt entwickelte sich schließlich die Idee, gemeinsam einen Kurs zur Unterwasserarchäologie zu veranstalten.

Vom 11. bis 13. September 2026 war es dann so weit: Der VDST-Kurs „Unterwasserarchäologie I“ führte sieben Heidetaucher an den Walchensee. Joana, Martin, Astrid, Holger, Heiko, Claudia und Ulrike machten sich auf den Weg nach Bayern. Komplettiert wurde die Gruppe durch Lisa, selbst Archäologin, aus München.

Bereits am Donnerstag, den 10. September, reisten die HeideTaucher an und bezogen gemeinsam mit den anderen Teilnehmern ihr Quartier in Jachenau, unweit des Walchensees.

Jachenau erwies sich dabei als idealer Ausgangspunkt: ein idyllisches bayerisches Dorf, umgeben von einer beeindruckenden Landschaft und definitiv auch unabhängig vom Tauchen eine Empfehlung zur Erholung.

Indiana Jones? Lara Croft? Nicht ganz …

Am Freitagmorgen begann der eigentliche Kurs im Rathaus von Jachenau. Dort stand zunächst eine ganz grundlegende Frage im Raum: Was ist Archäologie eigentlich?

Und Florian räumte gleich mit einigen Vorstellungen auf. Archäologen sind weder Indiana Jones noch Lara Croft. Mit spektakulärer Schatzsuche hat die tatsächliche Arbeit wenig zu tun.

Stattdessen geht es um sorgfältige wissenschaftliche Dokumentation, das Verstehen von Zusammenhängen und den Erhalt unseres kulturellen Erbes.

Dabei wurde schnell deutlich, wie interdisziplinär moderne Archäologie ist. Zahlreiche unterschiedliche Wissenschaftsbereiche arbeiten zusammen, um aus Funden und Befunden möglichst viele Informationen über die Vergangenheit zu gewinnen.

Wir beschäftigten uns mit den unterschiedlichen Bereichen der Archäologie und natürlich besonders mit der Unterwasserarchäologie. Was ist eigentlich ein Fund, was ein Befund? Welche Aufgaben übernehmen Forschungstaucher? Und wie dokumentiert man eine Fundstelle unter Wasser?

Ein wichtiger Punkt, der uns während des gesamten Kurses immer wieder begegnete, war das denkmalgerechte Tauchen.

Unterwasserfundstellen sind keine Selbstbedienungsläden für interessante Souvenirs. Es geht darum, unser kulturelles Erbe zu respektieren, Fundstellen nicht zu verändern und Beobachtungen möglichst fachgerecht zu dokumentieren.

Nach der Theorie folgte die Praxis.

Am Walchensee wartete ein versunkenes Wrack auf uns. In kleinen Gruppen wurde das zuvor Gelernte direkt unter Wasser umgesetzt und eine erste Übersichtsskizze des Wracks angefertigt.

Vermessen statt nur anschauen

Auch der Samstag begann mit Theorie. Florian nahm uns dabei mit zu vergangenen und aktuellen Forschungsprojekten. Unter anderem berichtete er von Arbeiten in Yucatán und einem aktuell laufenden Projekt vor Helgoland.

Dort geht es um die Identifizierung zweier versunkener Segelschiffe. Anhand dieser und weiterer Forschungsarbeiten erläuterte Florian verschiedene Möglichkeiten zur Datierung archäologischer Fundstellen.

Gleichzeitig ging es um Recht und Ethos in der Unterwasserarchäologie – und damit erneut um die Verantwortung, die wir als Taucher gegenüber historischen Fundstellen tragen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Offset-Vermessung.

Nach der theoretischen Einführung ging es am Nachmittag wieder an den Walchensee. Maßband und Schreibtafel gehörten nun ebenso zur Tauchausrüstung wie Maske, Flossen und Atemregler.

Am Wrack wurden zahlreiche Messpunkte aufgenommen.

Am Abend folgte der nächste Schritt: Die unter Wasser gewonnenen Daten wurden in ein entsprechendes Programm übertragen. Aus einzelnen Messwerten entstand so nach und nach eine nachvollziehbare Darstellung des Wracks.

Spätestens hier wurde deutlich, wie viel Arbeit hinter einer professionellen Dokumentation einer Unterwasserfundstelle steckt.

Aus vielen Bildern wird ein 3D-Modell

Der Sonntag begann nicht im Rathaus, sondern direkt am Walchensee. Diesmal stand Fotogrammetrie auf dem Programm.

Die einzelnen Gruppen nahmen das Wrack systematisch mit Fotos beziehungsweise Videoaufnahmen auf.

Dabei reicht es natürlich nicht, einfach ein paar schöne Unterwasserbilder zu machen. Damit eine Software später aus den Aufnahmen ein dreidimensionales Modell berechnen kann, muss das Objekt möglichst vollständig und mit ausreichenden Überschneidungen aufgenommen werden.

Nach den Tauchgängen ging es zurück nach Jachenau. Im Sitzungssaal des Rathauses wurden die Aufnahmen in eine Fotogrammetrie-Software geladen. Nach und nach entstand aus einer Vielzahl zweidimensionaler Aufnahmen ein 3D-Modell des Wracks.

Für uns war das sicherlich einer der eindrucksvollsten Momente des Kurses: Ein Objekt, das wir zuvor betaucht, skizziert und vermessen hatten, ließ sich nun dreidimensional am Computer betrachten und dokumentieren.

Der letzte Theorieblock beschäftigte sich darüber hinaus mit weiteren Möglichkeiten der Datierung und der Konservierung archäologischer Funde.

Florian gab uns außerdem zahlreiche praktische Einblicke in die Unterwasserfotografie und zeigte anhand seiner eigenen Forschungsarbeit, welche Bedeutung eine gute fotografische Dokumentation besitzt.

Natürlich wurde zwischendurch auch die Gelegenheit genutzt, das eine oder andere Buch von Florian signieren zu lassen.

Bei Kaffee und Kuchen ließen wir schließlich drei intensive Kurstage gemeinsam ausklingen.

Während wir langsam in den Freizeitmodus wechselten, ging es für Florian direkt weiter: Er machte sich auf den Weg nach Frankreich zum nächsten Forschungsprojekt.

Bayern kann auch über Wasser

Lisa trat bereits am Sonntagabend die Rückreise in Richtung München an. Ulrike machte sich am Montagmorgen auf den Weg zurück in den Heidekreis.

Für die verbliebenen sechs Heidetaucher war der Aufenthalt damit aber noch nicht beendet.

Nachdem wir drei Tage lang hauptsächlich unter Wasser und im Sitzungssaal unterwegs gewesen waren, sollte nun auch die Landschaft rund um Jachenau erkundet werden.

Aus einer Wanderung wurde eine durchaus sportliche Angelegenheit.

Rund 700 Höhenmeter und etwa sechseinhalb Stunden später erreichten alle wieder Jachenau – ziemlich geschafft, aber wohlbehalten.

Die Belohnung folgte am Abend bei deftigem Essen und einem kühlen Weißbier im Schützenhaus.

Auch an den vorherigen Abenden kam das gesellige Beisammensein nicht zu kurz. Diese verbrachten wir überwiegend gemeinsam im Wirtshaus in Jachenau.

Gutes Essen, gute Getränke, eine tolle Atmosphäre und faire Preise sorgten dafür, dass auch nach Ende der offiziellen Kurseinheiten noch lange zusammengesessen und über das Erlebte gesprochen wurde.

Am Dienstag hieß es schließlich auch für die letzten sechs Heidetaucher Abschied nehmen.

Gegen Abend waren alle wieder im Heidekreis angekommen – müde und geschafft, aber glücklich und mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck.

Drei Tage, die definitiv zu kurz waren

Rückblickend bleibt vor allem eines: großer Respekt vor der Arbeit von Florian und seinem Team.

In nur drei Tagen bekamen wir einen Eindruck davon, welcher wissenschaftliche, technische und organisatorische Aufwand hinter der Unterwasserarchäologie steckt.

Gleichzeitig gelang es Florian, die umfangreichen theoretischen Inhalte kurzweilig und verständlich zu vermitteln und immer wieder mit Beispielen aus seiner eigenen Forschungsarbeit zu verbinden.

Wir hätten ihm problemlos noch drei weitere Tage zuhören können.

Besonders gelungen war für uns die enge Verbindung von Theorie und Praxis. Was morgens im Rathaus erklärt wurde, konnten wir teilweise nur wenige Stunden später selbst unter Wasser ausprobieren.

Vom ersten Blick auf eine Fundstelle über Skizze und Vermessung bis hin zum digitalen 3D-Modell konnten wir so verschiedene Schritte einer archäologischen Dokumentation selbst nachvollziehen.

Und einiges davon wird uns sicherlich auch bei unseren ganz normalen Tauchgängen begleiten.

Wir werden künftig vermutlich mit etwas anderen Augen auf Wracks und andere historische Spuren unter Wasser schauen – und das Gelernte dort einsetzen, wo es sich anbietet.

Vielleicht war „Unterwasserarchäologie I“ deshalb auch noch nicht das Ende. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, könnte durchaus der eine oder andere Heidetaucher beim Folgekurs wieder mit dabei sein.

Vielen Dank an Dr. Florian Huber für drei spannende, lehrreiche und ausgesprochen kurzweilige Tage – und an alle Teilnehmer für eine rundum gelungene gemeinsame Zeit am Walchensee und in Jachenau!

Heidetaucher e.V.
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